Liebe Mitchristen im Seelsorgeraum!

 

Eine der wichtigsten praktischen Entscheidungen, du uns unser christlicher Glaube lehrt ist die, das gewöhnliche und Alltägliche wieder mit einem Grad an Heiligkeit auszustatten; die täglichen „kleinen“ Dinge als wichtig wertzuschätzen und Gott (wieder) im Trivialen und in der ganz gewöhnlichen Aufgabe zu entdecken: Eine Fähigkeit, die uns durch die immer mehr beschleunigtere Lebensweise und zunehmende „Gottvergessenheit“ schon fast abhanden gekommen ist.

Durch die Taufe sind wir berufen – als Christen in unserer Umgebung, Familie, im Beruf das Gute und Schöne weiterzugeben.

Vor allem sind wir gerufen in der persönlichen Beziehung mit Christus zu wachsen – das ist ein Weg. Jeder Tag fordert uns auf, einen Schritt weiter in diese Freundschaft mit dem Herrn hinein zu wachsen.

Wenn ich jeden Tag im Bewusstsein lebe, dass alles was ich erlebe einen Letzt gültigen Sinn hat, dann ist kein Tag sinnlos gelebt, dann hat auch das Schwere und ziemlich gewöhnliche eine Bedeutung.

Gott spricht durch das Ereignis, die Tatsache, die mir gerade zustößt. So kann ich immer fragen: Herr, was willst du mir durch dieses Geschehen – Leid oder Freude – sagen?

Religiöse Hochgefühle sind eher selten – man kann nicht den religiösen spirituellen grandiosen „Kick“ durch Knopfdruck herstellen!

Religion kann man nicht einkaufen wie ein Produkt im Konsumtempel. Echte religiöse Haltung lebt nicht von Events und Highlights, sondern von der täglich gelebten Praxis.

Wer Gott finden will – muss nur Tag für Tag „mit ihm und durch ihn und in ihm“ leben.

Mit IHM verbunden sein, wie die Reben mit dem Weinstock (Joh 5,4-13). Dies drückt sich aus durch das Gebet/Tagesanfang und Ende. Wenn es keine Verbindung zu IHM gibt (im Gebet, durch die Sakramente) – kann der Lebenssaft von Gott zu uns nicht fließen; wir dorren ein (wie im heurigen heißen Sommer in Spanien und Portugal die Oliven nur mehr aus einem Kern mit einer Haut drüber bestehen).

Deshalb suchen wir die Kraftquellen: die Eucharistie, Hl. Messe, Kommunion, Versöhnung, Kraft zum Lieben (Ehesakrament), Versöhnung mit Gott – Beichte; Besinnung und die Stille (Alles Große wächst aus der Stille).

Eine Konsequenz daraus ist die Erkenntnis: Wir brauchen ein Maß in allen Dingen.

Das Gegenteil, die Maßlosigkeit führt in die Katastrophe. Maßlosigkeit zeigt sich in den Formen der Sucht, in exzessiver Triebbefriedigung in Bezug auf Besitz, Geld, Selbsterhöhung, Karriere, Macht, Gewalt, Sex, Alkoholmissbrauch bis hin zur Selbstzerstörung.

Gottes Wort und Gebote markieren jenes Maß für unser Leben, das zu unserem Wohl gegeben ist und dessen Überschreitung in der Maßlosigkeit (in allen Bereichen) der Beginn eines zerstörerischen Weges sein kann.

Die Feste Allerheiligen, Allerseelen, die Nacht der 1000 Lichter sie sind gute Gelegenheiten nachzusinnen, wie wir unserem Auftrag nachkommen können, in unserem täglichen Leben das Gewöhnliche mit einem Grad von Heiligkeit auszustatten!

Mit guten Segenswünschen

Pfr. Gerhard Haas